Steigen mit der EEG-Umlage 2017 auch die Strompreise?

 

In der HNA-Ausgabe vom 9.8.2016 ist ein Artikel mit der Überschrift „EEG-Umlage steigt deutlich“ und dem Untertitel „Faktencheck: Warum der Strompreis für Verbraucher ab 2017 spürbar teurer wird“ erschienen.

 Wir möchten diesen „Faktencheck“ nicht unkommentiert lassen.

Zitat: “ Die Energiewende macht den Strom teurer“

 Das Ergebnis des „Faktenchecks“ scheint eindeutig zu sein: der Strom wird teurer; 300 € muss ein Vier-Personen-Haushalt demnächst pro Jahr für die EEG-Umlage aufbringen.

Schuld daran ist die Energiewende, und zwar die Einspeisevergütung für regenerativen Strom, so die Verfasserin des Artikels. Und die Einspeisevergütung steigt, weil immer mehr Windräder und Solaranlagen gebaut werden.

Was liegt da näher als die Schlussfolgerung, der Ausbau müsse gedrosselt werden, um dieser Preissteigerung zu entgehen?

Die Presseerklärung von „Agora Energiewende“, auf die sich der Tenor des Artikels, insbesondere in seiner Überschrift, bezieht, lässt diese Schlussfolgerung allerdings überhauptnicht zu.

Das Institut prognostiziert zwar eine Erhöhung der EEG-Umlage von 6.35 Cent auf 7,1 – 7,3 Cent auf Grund des Zubaus weiterer Anlagen für regenerative Stromerzeugung. In der Presseerklärung von „AGORA Energiewende“ wird aber weiter festgestellt: “Die für Stromkunden maßgeblichen Einstandskosten für Stromvertriebe ändern sich allerdings kaum: die Summe aus Börsenstrompreis und EEG-Umlage wird den Prognosen zufolge weiterhin knapp unter 10 Cent pro Kilowattstunde liegen.“ Die Steigerung der EEG-Umlage führt also nur dann zu einer tatsächlichen Preiserhöhung für die Endkunden, wenn die Stromversorger die Vorteile aus den ständig sinkenden Börsenstrompreisen nicht an die Verbraucher weiter geben. Und die Börsenstrompreise sinken wegen des hohen Angebots an Erneuerbarem Strom.

Seit 2010 bis heute ist der Börsenstrompreis auf 72% gefallen. Diese Preisreduzierung nehmen die Konzerne gern in Anspruch, ohne die Vorteile am Markt weiter zu geben.

Gejammert wird immer über die steigende EEG-Umlage, die seit 2010 tatsächlich um 205 % gestiegen ist. Man muss allerdings wissen, dass diese Umlage nicht nur für die tatsächliche Ökostromerzeugung erhoben wird. Für die Produktion von regenerativem Strom (also Anlagen für PV, Wind etc.) beträgt die Erhöhung seit 2010 lediglich 50%.

Die Industrierabatte allerdings, die ebenfalls über die EEG-Umlage finanziert werden, sind in diesem Zeitraum um 182 % gestiegen!

Ob der Strompreis für die privaten Verbraucher ab 2017 tatsächlich spürbar steigt, bleibt also noch offen. Es gibt keinen Automatismus, der dazu führt, das der wachsende Anteil der Erneuerbaren Energien mit Preissteigerungen einher gehen müsste.

Zitat: „Monstertrassen verschandeln die Natur“

„Die Hauptschlagader der Energiewende“ (SuedLink-Trasse) soll in weiten Teilen als Erdkabel verlegt werden – das ist teuer. Aber brauchen wir tatsächlich diese Trassen, die massenhaft produzierten Windstrom aus Nord- und Ostsee nach Süddeutschland leiten sollen?

Das ist umstritten. Das nordhessische Konzept von dezentraler Energieerzeugung in Windparks „vor der Haustür“ reduziert den Bedarf an Trassen und ist kostengünstig. Das sagt selbst die Bundesregierung in der Begründung zur EEG-Novelle 2017 (Fassung Febr. 2016, S. 235): „Generell handelt es sich bei Windenergie an Land um die kostengünstigste Erzeugungstechnologie, die perspektivisch ganz wesentlich für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien ist.“

Eine Verschandelung der Natur durch Monstertrassen ist also vermeidbar.

Zitat: „Ökostrom sorgt für insgesamt zu viel Strom“

Wenn es zu viel Strom gibt – welcher „Strom“ ist dann zu viel? Der aus regenerativen Quellen oder der aus Uralt-Braunkohlekraftwerken? Wenn man die in Paris vereinbarten Klimaziele ernst nimmt, gibt es zu viel Strom aus Kohle. Nicht die Drosselung des Ausbau regenerativer Stromquellen, sondern der politisch organisierte rasche Ausstieg aus der Kohleverstromung und die verstärkte Erzeugung von Ökostrom ist gefordert.

 Zitat. „Die Energiewende ist gut für den Klimaschutz“

Richtig – sie ist nicht nur gut, sondern Voraussetzung für die vereinbarte Reduzierung der Treibhausgase.

Zitat: „Ohne Kohle gehen die Lichter aus“

Das wird im Text relativiert – nach früheren Prognosen hätten sie längst ausgehen müssen. Tatsächlich hat der Fortschritt in der Regelungs- und Systemtechnik den Zubau verkraftet. Mit einem raschen Ausbau der Erzeugungsanlagen für Erneuerbare Energien kann Deutschland mit Erneuerbarem Strom gesichert versorgt werden. Den Beweis dafür hat das renommierte Fraunhofer Institut in Kassel schon lange erbracht.

Fazit: Die in Rot gedruckten Themen zum Faktencheck werden in den nachfolgenden Texten weitgehend relativiert, der nebenstehende Kommentar verstärkt das noch.

Für den flüchtigen Leser bleibt das Ergebnis aber negativ: Die Energiewende ist zu teuer, der Ausbau der regenerativen Erzeugung von Strom muss gedrosselt werden.

Die EEG-Novelle 2017 des Bundestags scheint damit gerechtfertigt zu sein.

 

Presseerklärung Kassel, 24.6.2016

 

Generalversammlung der Bürger Energie Genossenschaft Kassel & Söhre:

Erfolg und Perspektiven

 

Auf ihrer Generalversammlung, zu Gast im Haus der Kasseler Sparkasse, haben Vorstand und Aufsichtsrat der Bürger Energiegenossenschaft Kassel & Söhre ihren Mitgliedern die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2015 vorgestellt.

Mit besonderem Interesse verfolgten die zahlreich erschienenen Mitglieder den Bericht über das Ergebnis der Windpark Söhrewald/ Niestetal GmbH & Co. KG, an der die Genossenschaft seit 2014 beteiligt ist, und den Ausblick auf die weiteren Pläne des Vorstands.

„Die Winderträge aus dem zweiten Jahr des Windparks lagen erheblich über den Prognosen", erläuterte Prof. Rainer Meyfahrt, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft. Das sei ein sehr erfreuliches Ergebnis. Ebenso überstiegen die Erträge aus der Photovolatik-Anlage in Niestetal die Erwartungen.

„Mit ähnlich guten Ergebnissen hoffen wir auch in den nächsten Jahren rechnen zu können“, so Meyfahrt. „Im Gegensatz zu vielen Unternehmen in der Branche hat die Windpark Söhrewald/Niestetal KG sehr vorsichtig kalkuliert und ist mit großer Wahrscheinlichkeit davor gefeit, ihre Anteilseigner zu enttäuschen. Diese positive Bilanz zeigt deutlich, dass der Vorstand verantwortungsvoll mit den ihm anvertrauten Geldern umgeht, keine überzogenen Versprechen macht und nur mit   vertrauenswürdigen Partnern zusammen arbeitet“.

Angesichts dieser erfreulichen Ergebnisse kann die Genossenschaft jetzt zum ersten Mal eine Rendite von 1% ausschütten, und zwar früher als noch vor einem Jahr geplant.

„Wir erwarten, dass unsere Investition in den Windpark Rohrberg, an dem wir seit März 2016 beteiligt sind, sich ebenso ertragreich entwickelt. Noch haben die Gesellschafter keine abschließenden Ergebnisse vorliegen; die bisher bekannt gewordenen Windernten deuten aber in diese Richtung.“

Der dritte Windpark, den die Städtischen Werke in der Region entwickeln, der Windpark Kaufunger Stiftswald, ist zur Zeit im Bau. Auch hier will sich die Genossenschaft beteiligen, wenn das Angebot wieder entsprechende Erträge verspricht. „Wir sind überzeugt, dass es in größerem Umfang weitere Zeichnungen aus den Reihen unserer bisherigen Mitglieder geben wird und wir wollen auch wieder neue Interessenten ansprechen.“

Mit großer Anerkennung für die umfangreiche, ausschließlich ehrenamtliche Tätigkeit, erteilte die Versammlung den Mitgliedern von Vorstand und Aufsichtsrat einstimmig die Entlastung für das abgelaufene Geschäftsjahr.

So erfreulich sich die bisherige Entwicklung im Bereich der Windkraft in Nordhessen bislang darstellt, so sehr steht die Fortsetzung dieser Strategie mit der Novellierung 2016 des Erneuerbare Energien Gesetzes in Frage.

„Die geplante Novellierung des EEG zielt darauf, den weiteren Ausbau dieser kostengünstigsten Erzeugungskapazitäten drastisch einzuschränken und will gleichzeitig auch die breite Bürgerbeteiligung durch Genossenschaften abwürgen“, kommentiert Helga Weber den Gesetzesentwurf.

„Wir geben jedoch unsere Zielsetzung nicht auf und planen neue Geschäftsfelder in den Bereichen PV und Energieeffizienz.“

Zur Zeit berät der Vorstand über Projekte im Bereich Stromerzeugung mit Photovoltaik und Eigenverbrauch, sowohl für Eigentümer wie auch für Mieter. Auch im Bereich der Energieeffizienzsteigerung werden Optionen geprüft.

„Wir sind überzeugt, dass unsere Mitglieder uns auf diesen Wegen unterstützen werden, sofern wir Ihnen solide und regional orientierte Vorhaben vorstellen.

Die Energiewende in Nordhessen lässt sich nicht zurück drehen. Die Bürger Energie Bewegung bleibt weiterhin ein wichtiger Akteur in der Region bleiben wird und Klimaschutz, verbunden mit solider Geldanlage, wird immer mehr Mitstreiter finden“.

 


 

Nordhessische Genossenschaften kritisieren Vergabepraxis des Landes bei Windparkflächen

Dazu 2 Links zu Beiträgen des Hessischen Rundfunks.

Ein Link zum Beitrag in der Hessenschau am 18.4.2016

Der Beitrag beginnt zur Minute 9:40

Ein Link zu einem Beitrag des Hessischen Rundfunks in der Sendung "defacto". Bitte klickern Sie hier. 

 


 

Presseerklärung

Nordhessische Genossenschaften kritisieren Vergabepraxis des Landes bei Windparkflächen

 

„Wir sind schon sehr erstaunt darüber, dass der Landesbetrieb Hessen Forst die Fläche bei Alheim zur Errichtung eines Windparks einer Projektgesellschaft zuschlagen will, die weder zur nord- noch zur mittelhessischen Region Bezug hat und die sich nicht eindeutig zur Bürgerbeteiligung bekennt,“ bemerken die Vorsitzenden der Bürger Energie Genossenschaften Kassel & Söhre, Wolfhagen, Niestetal, Kaufunger Wald, Werra Meißner, waldhessischer Energiegenossenschaft in einer gemeinsamen Presseerklärung.

„Wir wenden uns mit dieser Presseerklärung an die Öffentlichkeit, weil wir befürchten, dass die Vergabe in Alheim beispielgebend für künftige Entscheidungen sein könnte. Dies würde einer regional getragenen Energiewende mit hoher Akzeptanz in der Bevölkerung widersprechen.“

Wie die Genossenschaftsvertreter in einem Brief aus dem Umweltministerium erfahren haben, spielen bei der Flächenvergabe von Standorten für Windparks die Interessen der betroffenen Kommunen und das Konzept zur Einbindung von bürgerschaftlichem Engagement nur eine untergeordnete Rolle.

„Offenbar ist die in Aussicht gestellte Pachthöhe das entscheidende Kriterium“, stellen die Vorsitzenden fest.

 „Die Erkenntnis, dass die für die Energiewende notwendige Akzeptanz auch dadurch zustande kommt, dass die Bürger die Möglichkeit der finanziellen Teilhabe am Ertrag der Anlagen haben, findet keine Berücksichtigung. Das verwundert uns sehr“, stellen die Vertreter der Energiegenossenschaften fest. „Wir wollen die Energiewende als breite Bürgerbewegung voranbringen. Was wir nicht wollen, ist, dass institutionelle Anleger und international operierende Kapitalgesellschaften sich im Geschäft mit erneuerbaren Energien die Taschen voll machen.“

„Völlig unverständlich ist uns, dass Hessen Forst die Ergebnisse einer Studie über die Zuverlässigkeit der Ertragsprognosen von Projektentwicklern offenbar nicht berücksichtigt hat. Die jetzt gewählte Projektentwicklungsgesellschaft hat sich bisher dadurch ausgezeichnet, dass sie bei bereits fertig gestellten Windparks wesentlich größere Erträge vorher gesagt hatte als schließlich eingetroffen sind.

Der Vorwurf, Erträge zu versprechen, die dann nicht erzielt werden, wird ja gegenüber der Windparkbranche als ganzer inzwischen häufig erhoben“, erklären die Vorsitzenden weiter. „Dass dies nicht für alle Betreiber gilt, zeigen seriöse Unternehmen wie z.B. die Windparkgesellschaft Niestetal/Söhrewald. Hier sind die Prognosen so vorsichtig formuliert, dass die Ergebnisse deutlich besser aussehen als vorhergesagt wurde.“

„Die Akzeptanz der Energiewende hängt ganz entscheidend davon ab, ob die Bürger sicher sein können, dass ihre Interessen vertreten werden und nicht die Profitorientierung großer Konzerne. Hierin liegt ein großes Maß an politischer Verantwortung. Dieser Verantwortung muss das Interesse an maximalen Erträgen, die der Landesbetrieb erzielen kann, untergeordnet werden!
Wir fordern deshalb das hessische Umweltministerium auf, bei der Vergabe von Windparkflächen sowohl die berechtigten Belange der Anrainerkommunen wie der Bürger der Region vorrangig zu berücksichtigen. Auch der Seriosität der Projektentwicklungsgesellschaften ist hohe Bedeutung einzuräumen,“ so die Vorstände abschließend.

 

Bürger Energie Kassel & Söhre eG

Bürger-Energiegenossenschaft Niestetal eG

Bürgerenergie Werra-Meißner eG

BürgerEnergieGenossenschaft Wolfhager eG

EnergieGenossenschaft KaufungerWald eG

Waldhessische Energiegenossenschaft eG

  


 

Material zur geplanten Gesetzesänderung 

 

Grundlage der Presseerklärung ist ein Positionspapier der Bürger Energie Kassel & Söhre zur Novelle des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG 2016), das Sie hier herunterladen können
 
- und natürlich den Referentenentwurf (jetzt neuester Stand 14.4.2016) mit Begründung selbst "Entwurf eines Gesetzes zur Einführung von Ausschreibungen für Strom aus erneuerbaren Energien und zu weiteren Änderungen des Rechts der erneuerbaren Energien", die sie hier herunterladen können.

 

 


 

"Energie aus der Heimat"

Eine Broschüre der SUN Stadtwerke Union Nordhessen erläutert das Konzept der Energiewende in regionaler Verantwortung.

Sie können sie hier herunterladen.